HARTMUT KIRCHNER


Selbstzeugnis zur künstlerischen Tätigkeit

 

Bis zum Jahr 2000 ging es mir in der Malerei fast vorwiegend um reine Arbeit nach der Natur. Mein Anliegen war es, die Harmonien der Natur und die Schönheiten zu entdecken und bildhaft mit meinen Mitteln wiederzugeben. Dann gab es so etwas wie eine Zäsur in der bildnerischen Entwicklung. Seit 2000 versuche ich auch innere Bilder, unterstützt durch die Einwirkung bestimmter Musik, in Form und Farbe umzusetzen.

Innere geistige Visionen, hervorgerufen durch das akustische Erlebnis neo-sinfonischer Musik, drängen nach außen. Die Klänge einer elektroakustischen Harfe erzeugen einen unverkennbaren Sound, der mich zum Malen, zum Gestalten unwiderruflich anregt. 

Das Wechselspiel von Ruhe und Bewegung in der Musik erzeugt auch ein Wechselspiel von Formen und Farben auf der Fläche, unterlegt durch Wortspielereien und Ausschnitte von Fotomaterial. Es entstehen so Bilder, die nicht Kopieen von Naturvorgängen sind. Diese könnte ein Fotograf besser und schneller wiedergeben. Die entstandenen Bilder sind Neuschöpfungen, mit Zeitungsausschnitten eincollagiert, die den Betrachter zum Suchen und Finden, zum Nachdenken anregen sollen. 

Die Ergebnisse stehen neben der Natur als selbständige Gebilde. Sie existieren als künstlerisch geordnete Kompositionen der Gegenstände, teilweise verkürzt auf Symbole, im vielgestaltigen Chaos von Formen und Farben und Farbflächen, die der Natur gegenüberstehen. Sicherlich kann der Rezipient Formen und Farben in den Bildern finden, die der Natur ähnlich sind, sie sind aber nur insoweit formuliert, dass sie der Bildidee dienen und dem Betrachter zur Entschlüsselung der Vision helfen sollen. Dabei sind Abweichungen und Mutationen der Naturform möglich. Bestimmte Symbole (Bilddetails) sind zum Teil nur ausschnitthaft, groß oder kleiner dargestellt. Wesentliches wird von Unwesentlichem unterschieden. Erinnerungszustände werden bedeutungsvoll, was besonders wichtig erscheint wird besonders groß und durchspezifische Farbigkeit teilweise sehr stark hervorgehoben. 

Bestimmte innere Bilder werden durch die sanften sphärischen Klänge und liedhaften Melodien hervorgeholt. Diese Art der Musik hat in ihrer akustischen Wirkung auf mich etwas Diamantenes, eine unbetroffene Klarheit, Brillanz und Schärfe, von harfentypischer Konkretheit, die ins Unterbewusstsein strahlt und Gedankenspiele, Gedankenbilder, Visionen hervorruft.

 Hartmut Kirchner; im Januar 2002